COBOL und die jungen Leute

Wenn andere junge Softwareentwickler hören, dass ich mit COBOL arbeite, fragen sie meistens, was das ist. Man kann ihnen die Frage natürlich nicht verübeln. Als COBOL modern war, waren sie noch Quark im Schaufenster.

Zutiefst verletzen mich aber die Leute, die nur glauben COBOL zu kennen und sich dann über mich lustig machen.

Ich schreibe diesen Beitrag nicht, um eine schlechte Lebensentscheidung, die ich getroffen habe, vor mir selbst zu rechtfertigen. Ich schreibe ihn, damit ich in 20 Jahren nicht allein im Büro sitzen muss, da ich der letzte noch lebende COBOL Programmierer bin.

Warum hat COBOL einen so schlechten Ruf?

Ja, ich weiß, COBOL ist uralt.

Die Programmiersprachen, die im Allgemeinen als modern bezeichnet werden, sind aber auch schon 20 Jahre alt. Jedoch gehen ihre Entwicklungsumgebungen mit der Zeit und erleichtern die Verwendung der Sprachen. Das ist wahrscheinlich das größte Problem von COBOL in der heutigen, oberflächlichen Gesellschaft. COBOL ist hässlich.

Daran sind meiner Meinung aber die Entwickler schuld, welche im Laufe ihrer 40 Berufsjahre irgendwann den KAFFEE ÜBER DIE FESTSTELLTASTE VERSCHÜTTET HABEN und diese seitdem festklebt. Oder die Entwicklungsumgebungen, die bei Farben nur bis zwei zählen können; Grün und Schwarz.

COBOL ist hässlich. Aber es könnte auch schön sein. Ein paar Werkzeuge zur einfachen Bedienung würden schon viel ausrichten. Außerdem schafft der findige Programmierer auch, aus der schönsten Sprache unleserlichen Schrott zu erstellen.

COBOL hat einen Use Case, und dieser liegt im Finanzsektor. Dort werden noch überwiegend Großrechner verwendet. Es müssen keine schönen, modernen Oberflächen mit COBOL geschrieben werden. Das können andere Sprachen bedeutend besser. COBOL soll Zahlen hin- und herschieben. Sehr, sehr viele Zahlen. Und das kann es doch ziemlich gut.

Warum sollte man das ändern wollen? COBOL hat eine solide Basis über mehrere Jahrzehnte und Erfahrung mit der verwendeten Technologie ist wichtig.

Niemand schreibt direkt gute Programme mit neuen Technologien. Schade nur, dass die Technologie, die man gerade mühsam gelernt hat, ab nächstem Quartal nicht mehr verwendet wird. Der neue Bereichsleiter hat da nämlich bei seinem nebenberuflichen Master letztes Jahr etwas ganz Tolles, Neues gelernt. Und man muss die Technik ja vorantreiben.

Wem das bekannt vorkommt, der könnte Gefallen daran finden, dass bei COBOL eine Frau ein Kind bekommen, und nachdem dieses mit 18 wieder ausgezogen ist, an gleicher Stelle wieder einsteigen kann. Vielleicht sogar im selben Projekt.

Warum als junger Entwickler nicht mal was Neues, Altes versuchen? Die Nachfrage am Arbeitsmarkt übersteigt das Angebot und die Unternehmen werden COBOL noch lange verwenden (müssen).

Deshalb freue ich mich in einem jungen Team der antas AG gelandet zu sein, das die Zukunft und das Potential von COBOL erkannt hat. Wir unterstützen neben COBOL den kompletten Mainframe Bereich. Ja, wir sprechen auch Java. Damit beherrschen wir den Brückenschlag zwischen der “alten” und der “neuen” Welt: Insbesondere Migrations- und Outtaskingprojekte.

Und das in einem Team in dem der Senior-Entwickler zurzeit bei einem Alter von 30 Jahren beginnt.

Pascal Delassus, Dinosaurier-Küken mit 30 Jahren
Kontakt: Pascal.Delassus@antas.com

P.S. Warum werden die gleichen Witze eigentlich nicht über SQL gemacht? Die haben wohl ein besseres Social Media Team.